Stottert mein Kind? Hinweise für Eltern.

https://logopaedieonline-praxis.de/stottern/online-therapie-bei-stottern/Father and daughter share a bonding moment reading a storybook indoors.Viele Eltern sind verunsichert und besorgt, wenn sie bemerken, dass ihr Kind stottert. Diese Unsicherheit ist verständlich, doch es ist wichtig zu wissen, dass Stottern heute sehr gut behandelbar ist. Dieser Artikel bietet einen ersten Leitfaden und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für betroffene Familien.

Was ist Stottern und ab wann sollte gehandelt werden?

Stottern ist eine neurobiologische Sprechstörung, die durch Unterbrechungen im Redefluss gekennzeichnet ist. Dazu gehören Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern („T-T-T-Tisch“), Dehnungen von Lauten („Mmmmmaus“) oder Blockaden, bei denen kein Laut herauskommt. Wichtig ist die Unterscheidung zum Entwicklungsstottern, das bei vielen Kindern zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr auftritt. Diese vorübergehenden Unflüssigkeiten, die meist aus Wiederholungen ganzer Wörter bestehen („Ich will, ich will das“), sind in der Regel nicht mit Anstrengung verbunden und verschwinden von selbst.

Handlungsbedarf besteht, wenn das Stottern länger als sechs Monate andauert, mit Anstrengung oder körperlichen Begleiterscheinungen wie angespannter Mimik einhergeht oder wenn das Kind selbst darunter leidet. Frühzeitiges Handeln ist entscheidend. Je früher eine Therapie beginnt, desto höher sind die Chancen auf eine vollständige Remission. Warten Sie nicht ab, sondern suchen Sie eine qualifizierte Logopädin oder einen Logopäden auf.

Stottertherapie und die Rolle der Eltern

Die Therapie bei stotternden Kindern ist stets altersgerecht und spielerisch gestaltet. Bei jungen Kindern (unter 6 Jahren) steht die indirekte Therapie im Vordergrund. Der Fokus liegt hierbei nicht auf dem Sprechen des Kindes, sondern auf der Umgebung. Die Eltern werden zu den wichtigsten „Therapeutinnen und Therapeuten“ im Alltag des Kindes.

Sie werden darin geschult, die Gesprächsumgebung so zu gestalten, dass der Redefluss des Kindes gefördert wird. Dazu gehören:

  • Reduzierung der eigenen Sprechgeschwindigkeit: Ein ruhiges und mäßiges Sprechtempo vonseiten der Eltern gibt dem Kind mehr Zeit, seine Gedanken zu ordnen.
  • Aktives Zuhören: Zeigen Sie dem Kind durch Ihre volle Aufmerksamkeit, dass der Inhalt seiner Aussage wichtiger ist als die Art und Weise, wie es spricht. Unterbrechen Sie es nicht und vervollständigen Sie keine Sätze.
  • Reduzierung von Sprechdruck: Vermeiden Sie Fragen, die eine schnelle oder komplexe Antwort erfordern.
  • Ruhige Gesprächsführung: Schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre ohne Zeitdruck.

Ein bekannter Ansatz ist das Lidcombe-Programm, bei dem die Eltern dem Kind nach jeder Sprechphase, in der es flüssig oder unflüssig gesprochen hat, gezieltes Feedback geben, um das flüssige Sprechen zu verstärken. Bei älteren Kindern und Jugendlichen kommen auch direkte Therapieansätze hinzu, bei denen Sprechtechniken erlernt und psychosoziale Aspekte wie der Umgang mit Stotter-Angst und Scham bearbeitet werden.

 

Die Unterstützung der Eltern ist der Schlüssel zum Therapieerfolg. Seien Sie geduldig, schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre und hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu. Stottern ist heute sehr gut behandelbar. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine qualifizierte Logopädin oder ein Logopäde kann eine genaue Diagnose stellen und eine auf Ihr Kind abgestimmte Therapie einleiten, um ihm zu einem selbstbewussten und flüssigen Sprechen zu verhelfen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Sprachtherapie (DGST): Stottern im Kindesalter.
  2. Becker, L., & Neukäter, A. (2020): Stottern in der Logopädie: Ein praxisorientierter Leitfaden.
  3. Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl): Informationen zum Thema Stottern.
  4. Lidcombe Program: Handbuch für Eltern zur Behandlung von Stottern bei Kleinkindern.
  5. Bildquelle: Pexels

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