
Die Sprachentwicklung Ihres Kindes ist eine der aufregendsten Reiseabschnitte im Leben junger Familien. Vom ersten Gurren bis zu komplexen Sätzen durchläuft jedes Kind eine individuelle, aber doch typische Entwicklung. Das Verständnis der Meilensteine der Sprachentwicklung hilft Ihnen als Eltern, die Fortschritte Ihres Kindes zu erkennen und gegebenenfalls frühzeitig zu reagieren, wenn Sie eine Verzögerung bemerken.
Die ersten Laute: Geburt bis 12 Monate
Schon ab der Geburt beginnt die sprachliche Reise Ihres Babys. In den ersten Monaten hören Sie vor allem Schreien und Gurren. Ab etwa 3 bis 6 Monaten beginnt das Baby zu lallen, indem es Vokale und Konsonanten kombiniert („ba-ba“, „ma-ma“). Zwischen 6 und 9 Monaten entwickeln sich diese Laute zu Silbenketten wie „bababa“ oder „dadada“ (Bundesverband für Logopädie, o.J.). Gegen Ende des ersten Lebensjahres, also zwischen 9 und 12 Monaten, reagiert Ihr Kind auf seinen Namen, versteht einfache Gesten wie Winken und sagt möglicherweise die ersten gezielten Wörter wie „Mama“ oder „Papa“. Es beginnt auch, auf Dinge zu zeigen, die es benennen möchte.
Vom Einzelwort zum Satz: 12 bis 24 Monate
Mit etwa 12 bis 18 Monaten treten die ersten einzelnen, sinnvollen Wörter in den Wortschatz Ihres Kindes ein. Dies können zunächst nur etwa 10 bis 50 Wörter sein, die meist konkrete Dinge oder Personen benennen (AWMF Leitlinienregister, 2022). Zwischen 18 und 24 Monaten erleben viele Kinder den sogenannten Wortschatzspurt: Ihr Vokabular wächst rasant auf bis zu 200 Wörter. Jetzt bilden sich auch die ersten Zweiwortsätze („mehr Saft“, „Auto weg“). Das Kind versteht bereits kleine Anweisungen und Geschichten und stellt erste Ein-Wort-Fragen („Ball?“).
Grammatik und komplexere Sätze: Ab 2 Jahren
Ab dem zweiten Geburtstag wird die Sprache Ihres Kindes deutlich komplexer. Die Grammatikentwicklung nimmt Fahrt auf. Zwischen 24 und 30 Monaten beginnen Kinder, Dreiwortsätze zu bilden und erste grammatische Formen wie die Mehrzahl oder einfache Vergangenheitsformen zu verwenden. Die Verständlichkeit nimmt stark zu, auch für Außenstehende (Bundesverband für Logopädie, o.J.). Mit 3 Jahren hat das Kind in der Regel einen Wortschatz von 500 bis 1000 Wörtern und kann einfache Sätze mit Subjekt, Prädikat und Objekt bilden. Es beginnt, „Warum“-Fragen zu stellen und kurze Erlebnisse zu erzählen.
Wann sollten Sie genauer hinschauen?
Jedes Kind ist einzigartig, und leichte Abweichungen von diesen Meilensteinen sind normal. Sollten Sie jedoch deutliche oder anhaltende Verzögerungen feststellen, ist es ratsam, frühzeitig professionellen Rat einzuholen. Anzeichen könnten sein:
- Mit 18 Monaten weniger als 5-10 Wörter.
- Mit 24 Monaten keine Zweiwortsätze oder weniger als 50 Wörter.
- Mit 36 Monaten noch keine klaren Sätze oder kaum Verständlichkeit für Außenstehende.
Ihr Kinderarzt oder eine logopädische Praxis können Ihnen helfen, die Sprachentwicklung Kind professionell einzuschätzen und gegebenenfalls gezielte Sprachförderung einzuleiten. Eine frühzeitige Unterstützung ist entscheidend für den späteren Erfolg Ihres Kindes.
Quellenverweise:
- AWMF Leitlinienregister. (2022). S3-Leitlinie „Therapie von Sprachentwicklungsstörungen“. Version 1.0. Abrufbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/049-015
- Bundesverband für Logopädie (dbl e.V.). (o.J.). Sprachentwicklung. Abrufbar unter: https://www.dbl-ev.de/service/ratgeber/sprachentwicklung
- Bildquelle: Pexels

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