Die Digitalisierung hat längst auch die medizinischen und therapeutischen Bereiche erreicht – so auch die Logopädie. Die Teletherapie, also die Behandlung über Videochat und digitale Medien, hat sich insbesondere seit der Corona-Pandemie zu einer etablierten Behandlungsform entwickelt. Doch wie wirksam ist diese Form der Sprachtherapie wirklich? Und für wen eignet sie sich?
In diesem Beitrag beleuchten wir die Effektivität von Teletherapie in der Logopädie, verweisen auf Studien, benennen Vorteile und Grenzen und geben praktische Hinweise für Eltern, Patienten und Fachpersonen.
Was ist Teletherapie in der Logopädie?
Teletherapie bezeichnet die logopädische Behandlung über digitale Medien, meist in Form von Videoanrufen. Dabei nutzen Therapeut:innen und Patient:innen Softwarelösungen wie Zoom, TheraPsy oder datenschutzkonforme Praxisplattformen.
Das Vorgehen ähnelt der klassischen Präsenztherapie: Es wird diagnostiziert, ein Therapieplan erstellt, Übungen werden angeleitet und der Fortschritt wird dokumentiert – nur eben virtuell.
Für welche Störungsbilder eignet sich Teletherapie?
Teletherapie ist besonders geeignet bei:
- Artikulationsstörungen (z. B. Lispeln)
- Sprachentwicklungsverzögerung
- Stottern und Poltern
- Aphasie (Sprachverlust nach Schlaganfall)
- Myofunktionellen Störungen (z. B. Zungenfehlfunktionen)
- Stimmstörungen (z. B. bei Lehrpersonen oder Sänger:innen)
Nicht alle Störungen lassen sich vollständig online behandeln – bei schwerwiegenden motorischen oder neurologischen Einschränkungen ist Präsenz häufig unerlässlich. Doch für einen großen Teil der Patient:innen kann Teletherapie eine gleichwertige oder ergänzende Lösung sein.
Was sagen Studien zur Effektivität?
Zahlreiche Studien belegen inzwischen die Wirksamkeit von Teletherapie – insbesondere bei klar umrissenen Störungsbildern:
- Bilda et al. (2021) führten eine Untersuchung zur Behandlung von Aphasien durch Teletherapie durch und kamen zum Ergebnis: „Die Therapie war ebenso effektiv wie im direkten Kontakt.“
→ Zur Studie (PDF) - Auch Collasius & Beushausen (2022) bestätigen in ihrer Übersicht zur Organisationsstruktur von Teletherapie, dass digitale Formate in der Praxis zunehmend als „gleichwertig in der Versorgung“ eingeschätzt werden:
→ Zum Artikel (PDF)
Die Studienlage zeigt: Bei guter technischer Ausstattung, regelmäßiger Durchführung und klarer Zielsetzung steht die Online-Logopädie der klassischen Therapie in nichts nach.
Vorteile von Online-Logopädie
- Zeitersparnis & Flexibilität
Keine Anfahrtswege, keine Wartezeiten – ideal für Familien oder Berufstätige. - Kontinuität der Therapie
Auch bei Quarantäne, Krankheit oder Umzug kann die Therapie ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. - Kindgerechte Umgebung
Kinder befinden sich zu Hause oft in ihrer Komfortzone und lassen sich dadurch besser einbinden. - Niedrige Hemmschwelle
Gerade für Jugendliche oder Erwachsene mit Schamgefühlen kann die Videotherapie angenehmer sein als die persönliche Begegnung.
Herausforderungen & Grenzen
Trotz aller Vorteile gibt es auch Einschränkungen:
- Technische Hürden:
Eine stabile Internetverbindung, gutes Audio/Video-Equipment und ein ruhiger Raum sind notwendig. - Fehlender physischer Kontakt:
Übungen zur oralen Motorik oder zur Atemtechnik sind schwerer umzusetzen oder zu korrigieren. - Elternbeteiligung bei Kindern:
Bei jüngeren Kindern ist die Mitarbeit der Eltern entscheidend für den Erfolg der Therapie.
Für wen eignet sich Teletherapie?
Die Teletherapie eignet sich besonders für:
- Kinder mit Artikulations- oder Sprachentwicklungsstörungen
- Jugendliche mit Stottern oder Poltern
- Erwachsene mit Stimmproblemen oder nach Schlaganfällen
- Berufstätige mit wenig Zeit
- Patient:innen in ländlichen Regionen ohne logopädische Praxis in der Nähe
Teletherapie ist nicht geeignet, wenn:
- schwere kognitive oder motorische Einschränkungen vorliegen
- kein technischer Zugang möglich ist
- keine Betreuungsperson bei kleinen Kindern zur Unterstützung vorhanden ist
Teletherapie hat sich als wirksames, zeitgemäßes und flexibel einsetzbares Instrument der modernen Logopädie erwiesen. Die Forschung belegt die Effektivität – und in der Praxis sind die Rückmeldungen von Eltern und Patient:innen überwiegend positiv.
Trotz mancher Grenzen bietet sie für viele Menschen einen barrierefreien Zugang zur logopädischen Versorgung – ob als alleinige Maßnahme oder ergänzend zur Präsenztherapie.
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References:
- Collasius, V./ Beushausen, U. (2020): Videotherapie in der Behandlung des Stotterns. Wirksamkeit und Handlungsempfehlungen. Online im Internet unter: https://www.prolog-shop.de/media/pdf/1c/47/e1/2022-3-ORG-CollasiusBeushausen164_173.pdf (abgerufen am 08.09.2025).
- Bilda, K., Dörr, F., Thurmann, A., & Tschuschke, B. (2021)Teletherapie in der Logopädie/Sprachtherapie. Logos, 29(2), 113-115


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